Artikel aus der SZ vom 14.01.2008
Dachau/München (Petra Schafflik)
Im September ist es so weit gewesen: 100 Kinder aus dem Township Orange Farm in Südafrika zogen von einer Wellblechhütte in ihren modernen Kindergarten. Errichtet haben das stabile Gebäude Studenten der Technischen Universität München, mit dabei drei angehende Architektinnen aus dem Landkreis.
Als „prägende Erfahrung“ wird Wenke Waldmann die Wochen in Afrika in Erinnerung behalten. Die 26-jährige Architekturstudentin aus Erdweg nahm gemeinsam mit Vroni Stadler und Anne Kager, alle drei ehemalige Schülerinnen des Josef-Effner-Gymnasiums, an dem ungewöhnlichen Studienprojekt „Orange Farm“ teil. Gemeinsam mit 29 Kommilitonen und sechs angehenden Landschaftsarchitekten entwarfen die drei jungen Frauen nicht nur auf dem Papier einen neuen Kindergarten für Südafrika. Mit phantasievollen Aktionen sammelten sie zusätzlich das notwendige Baukapital, auch im Landkreis. Gemeinsam mit einheimischen Helfern errichteten die jungen Leute im vergangenen September schließlich eigenhändig das Gebäude, unterstützt von einheimischen Bauhelfern.
„Als wir in Orange Farm in der Nähe von Johannesburg ankamen, mussten wir erst einmal das Grundstück aufräumen,Müll entsorgen, Steine wegräumen“, erinnert sich Wenke Waldmann. Als amnächsten Tag der bestellte Bagger schon nach wenigen Minuten defekt war, „griffen wir selber zur Schaufel“. Eine schwere Arbeit, „dort ist extrem harter Lehmboden“.
In einer Gegend zu helfen, die für Gewalt und Kriminalität berüchtigt ist, war für die jungen Studenten zunächst schwierig. „Wir kamen uns fremd vor“, erinnert sich Wenke Waldmann. Doch dann präsentierten die jungen Leute ihr Projekt den Einwohnern. Sofort fühlten sich die deutschen Helfer „ganz herzlich aufgenommen“. Schließlich arbeiteten die Studenten kostenlos, mussten für ihre Reisekosten und Unterbringung selbst aufkommen, das fand Anerkennung bei den Township- Bewohnern. Mit demSpendenbudget von rund 90 000 Euro zahlte das Projektteam ausschließlich Baumaterialien und Arbeitslöhne für einheimische Helfer.
„Orange Farm“ werde ihre Arbeit als Architektin beeinflussen, ist sich die junge Frau sicher. Die unterschiedlichen Phasen derUmsetzung vom Plan zum konkreten Gebäude haben sie beeindruckt, die Organisation einer Baustelle, Auswahl und Umgang mit unterschiedlichen Baumaterialien bucht sie als großen Erfahrungsgewinn. Vor allem aber, so die angehende Architektin, „denkt man mehr darüber nach, wie der spätere Nutzer eine Idee sieht“.


